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Terminmärkte: Wie das Spiel der Profis funktioniert

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 BeitragVerfasst: Fr 4. Mai 2012, 18:58   
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Registriert: Di 20. Apr 2010, 10:56
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Die Anlageklasse der Rohstoffe ist auch für private Anleger zunehmend interessant – wenn sie sich mit den Spielregeln der Terminmärkte auseinandersetzen.
von Jens Castner, €uro am Sonntag
Weizen, Orangensaft, mageres Schwein— in Zeiten unsicherer Aktienmärkte interessieren sich Anleger zunehmend für den Handel mit realen Gütern. Deren Preise fallen wenigstens nie auf null.
Allerdings werden Rohstoffe stets an Warenterminbörsen gehandelt — die größten sind in Chicago, New York und London. Zugang zu diesen Märkten hatten früher nur institutionelle Investoren und gut betuchte Privatanleger, deren Hausbanken oder Broker ihnen die Führung von Terminmarktkonten ermöglichten.
Mit dem Siegeszug der Zertifikate zu Beginn dieses Jahrtausends hat sich das grundlegend geändert. Inzwischen können über Index- oder Trackerzertifikate und Exchange Traded Commodities (ETC) nahezu alle gängigen Rohstoffe in kleinen Tranchen gehandelt werden. Die meisten Emittenten haben auch synthetische Anleihen mit Kapitalgarantie oder Produkte mit reduziertem Risiko, etwa Bonus- oder Discountpapiere, im Programm.
Trader mit mehr Mut zum Risiko können unter Tausenden Optionsscheinen und Knock-out-Zertifikaten das passende Produkt auswählen oder ein Konto bei einem CFD-Broker eröffnen, was dem Direkthandel an den Terminbörsen am nächsten kommt. Auch hier ist — analog zu den Warenterminbörsen — nur eine Sicherheitsleistung (englisch: „margin“) auf einem Handelskonto zu hinterlegen. Komplett bezahlt werden muss die Ware erst zum Auslauftermin der jeweiligen Kontrakte, die (da der Liefertermin in der Zukunft liegt) in der Fachsprache Futures genannt werden.
So weit lassen es Trader in der Regel aber nicht kommen, denn die wenigsten sind an der physischen Auslieferung interessiert. Wer hat schon eine Kühltruhe, die groß genug ist, um die Mindestkontraktgröße von 6.800 Kilogramm gefrorenem Orangensaft einzulagern, oder die Möglichkeit, eine Rinderherde im Garten zu halten?
Sowohl die Emittenten von Zertifikaten als auch CFD-Broker achten deshalb darauf, dass die Kontrakte rechtzeitig vor dem Stichtag ausgetauscht werden. Dieser Vorgang heißt im Börsianerjargon Rollen — und hat mitunter einen Pferdefuß.
Contango und Backwardation
Beim Tausch eines demnächst fälligen in einen länger laufenden Kontrakt kann es zu erheblichen Preisunterschieden kommen, vor allem bei verderblichen Waren wie Getreide oder Fleisch. Dazu kommen die Markterwartungen: Geht beispielsweise die Mehrheit der Investoren davon aus, dass der Spritpreis zu Beginn der Sommerferien wieder anzieht, sind Terminkontrakte auf bleifreies Superbenzin oder Diesel mit Liefertermin im Juli mit hoher Wahrscheinlichkeit teurer als diejenigen, die im Mai auslaufen. In solchen Fällen spricht man von einer Contango-Situation, die für Anleger sogenannte Rollverluste mit sich bringt. Bei endlos laufenden Zertifikaten ändert sich dann die Partizipationsrate: Ist der neue Kontrakt zehn Prozent teurer als der alte, profitieren Derivateanleger nur noch zu 90 Prozent von Wertsteigerungen.
Der umgekehrte Fall heißt Backwardation. Hier ist der neue Future billiger als der alte, Anleger können also Rollgewinne einsacken. Etliche rolloptimierte Rohstoffzertifikate versuchen diesen Effekt zu nutzen, weshalb sie trotz etwas höherer Gebühren meist die bessere Wahl sind.
Für kurzfristig orientierte Trader allerdings spielen Contango und Backwardation kaum eine Rolle, wie Sarah Brylewski erläutert. Sie verantwortet das Deutschland-Geschäft beim CFD-Broker Gekko Global Markets, der sich an diesem Wochenende zur Anlegermesse Invest in Stuttgart erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. „Daytrader können Contango und Backwardation getrost vernachlässigen. Auch Anleger, die nur wenige Tage im Markt bleiben wollen, werden diese Effekte kaum zu spüren bekommen.“
Da sich CFDs fast immer direkt auf die an den Terminmarktbörsen gehandelten Futures beziehen, ist bei einem Anlagehorizont von mehreren Wochen jedoch Vorsicht geboten  — es könnte ja passieren, dass der Kontrakt zwischenzeitlich ausläuft. „Anders als Aktien-CFDs haben CFDs auf Rohstoff-Futures einen Fälligkeitstermin“, erklärt Brylewski, früher Chefin der deutschen Zertifikateabteilung von ABN Amro. Anlegern, die Rohstoffe über mehrere Monate halten wollen, rät Brylewski daher eher zu ETCs.
Allerdings bestätigt auch hier die Ausnahme die Regel: Bei Edelmetallen beziehen sich sowohl Zertifikate als auch CFDs üblicherweise auf den Spotmarktpreis. Das ist Preis, der zu bezahlen wäre, wenn der Terminkontrakt sofort fällig würde (man die Ware also physisch kaufen müsste), und auf den sich Kurstabellen in den Medien — auch in dieser Zeitung — beziehen. CFD-Pionier CMC Markets bietet zusätzlich zu Edelmetallen eine breite Palette an Rohstoffen an, die zum Spotpreis gehandelt werden können. Zu beachten sind bei längerfristigen gehebelten Engagements allerdings die Haltekosten. Wird der Kontrakt nicht vollständig bezahlt, sondern nur eine Sicherheitsleistung auf dem Margin-Konto hinterlegt, werden Tag für Tag Zinsen in Rechnung gestellt, sofern die Position über Nacht gehalten wird.
Spekulationen auf fallende Kurse
Wer auf fallende Kurse setzt, was mit CFDs problemlos möglich ist, verkauft hingegen einen Kontrakt, ohne ihn zu besitzen. Diese sogenannten Leerverkäufe (englisch: „shortselling“) sind an Terminbörsen durchaus üblich und notwendiges Marktregulativ.
Wer Short-Positionen über Nacht hält, wird mit einer Zinsgutschrift belohnt, die im aktuellen Niedrigzinsumfeld allerdings bescheiden ausfällt. Und das Risiko bei Short-Spekulationen mit CFDs ist immens.
Wenn der Markt in die falsche Richtung läuft, kann mehr als die hinterlegte Margin verlorengehen, mitunter muss Geld nachgeschossen werden. Um das zu verhindern, bauen die Broker zwar eine Reihe von Sicherheitsstufen (bis hin zur Zwangsliquidierung) ein. Aber bei extremen Marktbewegungen, vor allem bei den gefürchteten Richtungswechseln über Nacht („overnight gaps“) — etwa durch politische Entscheidungen, Streiks oder Unwetter — kann schnell mehr als die ursprüngliche Anlagesumme weg sein. Zudem heißt es umdenken: Contango ist für Anleger bei Short-Positionen günstig, Backwardation nachteilig.
Währungseffekte
Weil Rohstoffe grundsätzlich in US-Dollar gehandelt werden, besteht auch ein Währungsrisiko. Hier helfen währungsgesicherte Quanto-Zertifikate, die dieses Risiko — gegen teils happige Gebühren — ausschalten. Auch CFD-Broker denken über solche Angebote nach. Zu den Vorreitern zählt der B2B-Anbieter Cefdex, der bereits den Handel von Gold, Erdöl und Kupfer ohne Währungsrisiko ermöglicht. Bei den Cefdex-Partnern Flatex, S-Broker und ViTrade können Anleger deshalb schon jetzt ohne Währungsrisiko auf oder gegen diese Rohstoffe setzen. Das Angebot wird den Cefdex-Vorständen Harald Patt und René Diehl zufolge „sehr gut angenommen“.
Glossar
Rohstoffhandel
Klassische Termingeschäfte
Rohstoffe werden in Form von Terminkontrakten (Futures und Forwards) gehandelt, was bedeutet, dass Anleger die Ware nicht sofort physisch kaufen oder verkaufen, sondern lediglich das Recht erwerben, sie zu einem bestimmten Stichtag zum dann gültigen Kurs (Spotpreis) zu beziehen oder abzustoßen. Kontrakte mit unterschiedlichen Laufzeiten können erhebliche Preisdifferenzen aufweisen.
Contango
Wenn die Zukunft teuer ist
Contango bedeutet, dass Kontrakte mit längerer Laufzeit teurer sind als solche mit kürzerer Laufzeit. Wer Endlosprodukte auf Rohstoffe im Contango hält, erleidet Rollverluste, wenn die auslaufenden Kontrakte durch neue ersetzt („gerollt“) werden.
Backwardation
Kauf jetzt, zahl später weniger
Backwardation ist das Gegenteil von Contango: Länger laufende Terminkontrakte sind billiger als demnächst fällige. Beim Austausch winken Rollgewinne.

Quelle: http://www.finanzen.net/nachricht/rohst ... rt-1830331


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